6 ter Tag

Position:
30°09.10 N
- 15°56.15 W
Selvagem Grande
30°01.35 N

- 16°03.05 W

Selvagem Pequena

vom 12.06. - 19.06.2002

Die Expedition wurde organisiert von



17.06.2002: Die Nacht war ruhig und wir trafen uns alle nach einem, wie immer, ausgezeichneten Frühstück an Deck, um unser Equipment fertig zu machen. Nach einer ausgiebigen Tagesplanbesprechung ging es zu einer Untiefe in der Nähe der großen Insel. Die Ranger hatten hier vor einigen Jahren bei früheren Tauchgängen die Reste eines alten Postschiffes gefunden. Die Wrackteile sollten an einem Hang in ca. 20-30 m Tiefe liegen. Zur Sicherheit nahmen wir für die Rebreather ein 30/70 er Gemisch, für den Fall, dass wir tiefer tauchen würden. Das Wetter war sehr gut und die See hatte sich über Nacht beruhigt, so dass wir mit der Ardeola direkt am Tauchplatz ankern konnten.
Auf dem Echolot erkannten wir den erst leicht und dann steil abfallenden Hang. Geankert wurde oberhalb des Hanges in 20 m Tiefe, im Schutze der Untiefe, die ca. 3 m aus dem Wasser ragte. Durch die noch starke Dünung rutschte der Anker immer wieder in Richtung Hang, so dass unterhalb des Hanges Gefahr für die Taucher bestand. Also: Anker hoch, und wir wurden mit dem Beiboot zum Tauchplatz gebracht. Noch in 15 m Tiefe spürten wir die Dünung. Auf der Sandfläche war nichts von Wrackteilen zu sehen, so entschlossen wir uns, weiter unterhalb den Hang abzusuchen. Wir kamen hier sehr schnell auf Tiefe und bei 44 m warnte unser Computer vor der Überschreitung des ppO2, den wir auf 1,5 bar eingestellt hatten.
Also: ein paar Meter höher und immer am Hang entlang. Außer Sand und ein paar verstreuten Felsen sahen wir nichts, was auch nur im entferntesten mit einem Wrack zu tun hatte. Wieder an Bord zurück sah man nur noch deprimierte Gesichter. Nun suchten wir uns erst einmal einen geschützten Ankerplatz nahe der Insel. Nach einem guten Mittagessen nutzten wir das schöne Wetter zum Ausruhen und Schwimmen. Dabei passierte es, dass die von der Crew nicht gesicherte Badeleiter über Bord ging und in der Tiefe verschwand. Da es unter dem Schiff nicht sehr tief war, bot sich Lutz an, diese zu suchen und ein Seil daran zu befestigen. Wieder an Bord berichtete er freudestrahlend, dass er in unmittelbarer Nähe große Wrackteile gesehen habe und unter dem Schiff ein Menge verstreuter Eisenteile lägen.
Ungläubige Gesichter starten ihn an. Was er da erzählte, konnte niemand so richtig glauben. Nachdem wir jetzt fast eine Woche gesucht hatten, sollten wir jetzt ein Wrack finden, nur weil eine Badeleiter ins Wasser gefallen war? Trotzdem kam hektisches Treiben auf.
Schnell wurden Kameras und Ausrüstungen einsatzbereit gemacht. Ein kurzes Briefing und schon stiegen wir in unsere Ausrüstungen. Von der Oberfläche aus sah man schon einige größere Wrackteile (Eisenträger, Bodenplatten und Relingteile). Wir lagen mit unserem Schiff ca. 30 m quer vor dem Bug des Wracks.
Beim Übertauchen des Wracks trauten wir unseren Augen nicht. Das Wrack schien kein Ende zu nehmen. Wir waren unserem Gefühl nach bestimmt schon 150 – 200 m über dem Wrack geschwommen. Somit stand fest: hier liegt ein riesiger Tanker, der in drei Teile gerissen war. Der Bug mit seinen großen Ankern und Ankerwinden lag in einer Senke vor einer Steilwand.
Ca. 20 m weiter kam das Mittelschiff mit den riesigen Tanks, ca. 200 m lang. Dann kamen nur noch Schrottteile. Es fehlte also das Heck. Wir wussten, dass es unser vorletzter Tauchgang war und wollten soviel wie möglich erkunden, fotografieren und filmen. Oberhalb der Tanks war noch alles in Takt.
Doch die Seitenwände der Tanks waren wie Teppichböden in Falten gelegt und das bei Stahl von 2,5 – 3 cm Wandstärke. An verschiedenen Stellen hatten sich Eisenträger von 30 cm Stärke durch die Wandungen gebohrt und sahen aus wie abgeknickte Streichhölzer. Der Bug war noch sehr gut erhalten.
Hier konnte man ohne Probleme und Risiken von dort, wo vorher die Tanks waren eintauchen. Hier befanden sich zwei große Rohre von 2 – 3 m Durchmesser, die vom Deck bis zum Kiel führten, jedes mit einem großen Schott versehen. Eines der Schotts stand auf und wir sahen, wofür diese Rohre dienten: es waren die Ankerkettenkästen.
Hier lag eine riesige Ankerkette jedes Glied der Kette hatte eine Länge von 30 – 40 cm. Unten im Bug herrschte eine gespenstische Atmosphäre: Überall von der Decke hingen Kabel und Rohre, an vielen Stellen schien die Sonne durch das von Rost zerfressene Deck.
Es war ein seltsames Schauspiel, wenn ein Fisch einen Sonnenstrahl passierte und der riesige Schatten des Fisches auf den Boden projiziert wurde. Schaute man dann jedoch zu dem Fisch auf, war er gerade mal 20 cm lang.Da dies der zweite Tauchgang an diesem Tag war, wollten wir nicht so tief, ich tauchte mit einem Gemisch 50/50 .
Dies kam mir nun zugute, nach 62 min. Tauchzeit in 19 – 24 m Tiefe hatte ich noch eine Nullzeit von 88 min. auf meinem Computer und das in einer Tiefe von 20 m. Nach über 90 min. wurde es jedoch langsam kühl und wir beginnen mit dem Aufstieg, nach weiteren 5 min.
Sicherheitsstopp erreichten wir wieder die Wasseroberfläche. Unser Tag war gerettet und das Wrack mit seinen überwältigenden Dimensionen hinterließ bei uns einen bleibenden Eindruck. Alle fieberten dem nächsten Tag entgegen, denn er würde uns den letzten Tauchgang dieser Reise bringen.

© fotos und webseite d.charne__ webmaster@scuba-madeira.com